Ruine Hohenrätien (Hochrialt)   GR / 7411 Sils im Domleschg   

Geschichte

Der Felsvorsprung wurde bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Er diente bis ins späte Mittelalter als Sakral und Fluchtplatz. Im Frühmittelalter entstand ein Kirchenkastell, umgeben von einer Ringmauer. Die Kirche wurde mehrere Male umgebaut. Ende 11.Jh. Bau des "Steinhauses“, welches im 12.Jh. um drei Stockwerke erhöht wurde. Während des 13. und 14.Jh. wurden mehrere Bauwerke innerhalb des Wehrbezirkes errichtet. Den Namen Hohenrätien gab man dem Bauwerk erst im 16.Jh., durch humanistische Gelehrte willkürlich hinzugefügt, um die Burg mit dem Stammvater der Rätier, Rätus, in Verbindung zu bringen. Die Talleute nannten die Burg bis ins 15.Jh. Johannesstein (oder ähnlich). Die Kirche St. Johannes diente dem ganzen linksrheinischen Domleschg als Pfarrkirche, weshalb sie die Toten auf den steilen Hügel schaffen mussten, um sie zu beerdigen. 1410 wird die Burg Hochrialt im bischöflichen Burgenverzeichnis als verlassen und verfallen aufgeführt. Der Name Hochrialt deutet auf die Herren von Rialt hin, die im Laufe des 12. bis 14.Jh. mehrmals urkundlich erwähnt werden. Sie waren mit den Herren von Masein verwandt. Ihre Stammfestung, Niederrialt, lag am Fusse des Gehöftes Realta am Heinzenberg. Anfangs 14.Jh. starb die Familie aus und die beiden Burgen wurden verlassen. Eine Sage über den letzten Burgherren lautet wie folgt: Um sich vor der Wut der aufständischen Landbevölkerung zu schützen, schwang er sich auf sein Pferd und flüchtete über die Ringmauer bis zum Felsvorsprung, von wo aus er sich in die Tiefe stürzte. Diese Mär ist jedoch völlig aus der Luft gegriffen.