Burg Raron   VS / 3942 Raron /   

Geschichte

Die Gegend um Raron war bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit bevölkert. Dass der Burghügel ebenfalls besiedelt war, ist anzunehmen. Die heute noch sichtbaren Teile der Burganlage gehen auf das 11. oder frühe 12.Jh. zurück. Die Anlage wurde ursprünglich nur als Fluchtburg für die Bevölkerung genutzt. Gegen Ende des 12.Jh. wurde die Burg jedoch zum Sitz eines bischöflichen Verwalters ausgebaut. Zu dieser Zeit entstand der quadratische Wohnturm im Zentrum der Anlage, welcher im 16.Jh. mit Treppengiebeln, Fenstern und einem Latrinenanbau versehen wurde. Raron gehörte seit der Zeit des Königreiches Hochburgund den Bischöfen von Sitten, welche wahrscheinlich auch den Bau der ersten Fluchtburg veranlassten. Sie setzten im 12.Jh. einen bischöflichen Verwalter auf die Burg. Seit dem 13.Jh. hatten die Herren von Raron dieses Amt inne. Weil Amt des Meiers immer an Bedeutung zunahm, wurden sie bald zu den wichtigsten Vertretern der weltlichen Gewalt des Bischofs. Sie liessen als Zeichen ihrer Macht den wehrhaften Palas errichten. Seit dem 14.Jh. befand sich das Meieramt zu Raron als Erblehen in den Händen der Familie Asperlin, welche nun die Herrschaftsrechte ausübte. Die Herren von Raron spielten in der Geschichte des Wallis eine bedeutende Rolle. Ihre Stammlande hatten sie im mittleren und oberen Aareraum, von wo aus sich die Familie weit verzweigte und sich oft nach "Opelingen“ oder „Ringgenberg“ benannte. Bereits vor 1146 hatte Eglof von Opelingen Güter in Raron, wo er das bischöfliche Vitztumamt übernahm. Dies dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass sich der Zweig der Familie nach dem Dorf Raron benannte. Die Herren von Raron stiegen rasch empor und vermochten sich eine unabhängige Stellung im Wallis zu verschaffen. Sie erbauten die Festung Beauregard, die zu ihrem wichtigsten Herrschaftszentrum wurde, aber 1380 durch Graf Amadeus VIII von Savoyen erobert  und zerstört wurde. Graf Amadeus nahm die Söhne Peters von Raron gefangen und liess sie in Sitten hinrichten. Peter von Raron konnte sich von diesem Schlag rasch erholen und veranlasste den Wiederaufbau der Festung Beauregard. Die Wende des 14. zum 15.Jh. sollte der Höhepunkt der Machtentfaltung für die Herren von Raron werden, nachdem nacheinander zwei Angehörige des Geschlechtes den Bischofsstuhl von Sitten bestiegen (Wilhelm V und Wilhelm VI). Die Raron strebten ein erbliches Landesfürstentum an. 1414 verlieh König Sigismund ihnen die erbliche Landeshoheit, was zum Ausbruch eines offenen Aufruhrs führte, geschürt von der Opposition ihrer Gegenspieler. In Brig rottete sich unter der Führung einflussreicher Geschlechter die "Gesellschaft zum Hund" zusammen und brach mit Urgewalten über die Burgen der Raron herein. Dabei wurde auch die Burg Beauregard endgültig dem Erdboden gleich gemacht. Trotz des Eingreifens von berner Truppen auf Seiten der Raron vermochten diese sich nicht zu halten und wurden aus dem Wallis vertrieben. Da die Aufständischen Hilfe von den Innenschweizern bekamen, drohte sich der Konflikt auf die übrigen Orte der Eidgenossen auszuweiten. Dank der Vermittlung des Herzoges von Savoyen kam es zu einem Schiedsspruch zwischen den Talleuten des Wallis und den Herren von Raron. Die Raron und die Berner erhielten eine bedeutende Entschädigung zugesprochen. Jedoch vermochten sie nicht, ihre Macht im Wallis wieder zu festigen. Petermann von Raron, der Letzte des Geschlechts, nahm in Schwyz und Glarus das Landrecht auf, wo er 1479 verstarb. Er wurde im Kloster Rüti, Kanton Zürich, beigesetzt. 1515 wurde die Ruine des Palas von Raron zur Kirche umgebaut.

Beschreibung

Jüngerer Wohnturm (Ruinen 1515 zur Kirche umgebaut), älterer Wohnturm, Ringmauer und Toranlage. Mehrere Grundmauern mit unbekannter Funktion.

Informationen

Auf der Burg Raron befindet sich die Grabstätte des Dichters Rainer Maria Rilke.