Schloss Hermance   GE / 1248 Hermance   

Geschichte

Die ursprünglich aus dem Arvetal stammende Familie von Faucigny weitete im frühen 12.Jh. ihren Besitz und Machteinfluss bis in den Raum des Genfersees aus. Dabei gerieten sie ins Interessengebiet der Grafen von Genevois, konnten aber erfolgreich deren Druck standhalten. Vermutlich liess Aymo II von Faucigny um 1240 Burg und Stadt Hermance errichten. Damit hatte die Familie einen wirtschaftlich und militärisch wichtigen Platz direkt am Genfersee in ihrer Hand. Ihre Machtpolitik erwies sich während des 13.Jh. aber als zu schwach, um ein selbstständiges Territorium am Genfersee zu behaupten. Bereits lauerte Savoyen, um sich der Herrschaft zu bemächtigen. Beatrix von Thoire, Herrin von Hermance, vermachte die Herrschaft Mitte des 13.Jh. ihrem Mann, Peter II von Savoyen, worauf Burg und Stadt savoyisch wurden.
Zu Beginn des 14.Jh. traten die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Genevois und Savoyen um die Vorherrschaft im unteren Genferseeraum in eine entscheidende Phase. Das Städtchen und die Burg Hermance wurden dabei heftig umkämpft und wechselten einige Male den Eigentümer. 1325 verwüsteten Truppen des Grafen von Genevois die Umgebung von Hermance, und während der Fasnachtszeit 1326 drangen sie von See her in das Städtchen ein  und eroberten sie Burg und Stadt. Die Savoyer, durch diesen kühnen Handstreich völlig überrumpelt, mussten Hermance dem genevoiser Bataillon überlassen. Eduard von Savoyen versuchte, es zurückzuerobern, doch der feindlichen Besatzung gelang es, die Angriffe der Savoyer abzuwehren. Zudem wurde die Kriegsflotte Eduards durch einen Sturm zerstreut. Hermance wurde zu einem strategisch wichtigen Stützpunkt für die Grafen von Genevois. Von hier aus wurden unzählige Angriffe mit Kriegsschiffen auf benachbartes savoyisches Gebiet unternommen. 1332 gelang es den Grafen von Savoyen endlich, Hermance wieder in Besitz zu nehmen. Unter der Herrschaft des Hauses Savoyen erholte sich das Städtchen von den Kriegsschäden und begann wieder aufzublühen. Mit der Besiedelung der Unterstadt begann vermutlich in dieser Periode. Die vom Hause Savoyen vergaben während des 15. und 16. Jh. die Herrschaft über Hermance an diverse Lehensmänner.
Auf ihrem erfolgreichen Feldzug gegen Savoyen 1536 eroberten die Berner Chablais und Hermance. Nach dem Friedensschluss von 1567 mussten die Berner das gesamte Gebiet südlich des Genfersees an Savoyen zurückgeben. Die Herzöge von Savoyen nutzten Hermance als Stützpunkt gegen die Stadt Genf während den Unabhängigkeitskriegen Ende des 16.Jh. 1589 erstürmten die Truppen des auf genfer Seite kämpfenden französischen Gesandten Sancy die Stadt Hermance und zerstörten die Befestigungsanlagen.
1603, nach dem Friedensschluss von St-Julien, musste Genf das Städtchen den Savoyen wieder abgeben. Savoyen durfte die Befestigungsanlagen aber nicht wieder herrichten. Die Burg ist seither eine Ruine. Das Städtchen Hermance kam erst 1816 an die Stadt Genf.

Beschreibung

Von der befestigen Siedlung haben sich ansehnliche Reste erhalten. Man sieht noch deutlich die Unterteilung in Ober- und Unterstadt. Von der Stadtmauer der Oberstadt sind etliche Fragmente bewahrt, jedoch ist die ursprüngliche Überbauung weitgehend verschwunden. Die mittelalterliche Überbauung der Unterstadt ist zum grössten Teil erhalten geblieben. Ebenfalls haben noch grosse Teile der Stadtbefestigung Bestand. Die mittelalterliche Hafenbefestigung, welche in der stürmischen Geschichte der Stadt eine wichtige Rolle gespielt hatte, ist nicht mehr vorhanden. Die Burg erhob sich auf dem höchsten Punkt der Oberstadt und war in die Stadtbefestigung integriert. Erhalten blieben nur der mächtige Donjon und kleine Reste der Umfassungsmauer.