Ruine Gestelenburg  VS / 3942 Niedergesteln  

Geschichte

Der Name "Gestelen" lässt sich aus dem lateinischen "Castellum" ableiten, was auf eine frühgeschichtliche Befestigungsanlage schliessen lässt. Die genaue Entstehungszeit und Gründer der Burg sind nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Vermutlich wurde die Burg durch die Herren von Turn Anfangs des 12.Jh. erbaut. Mitte des 12.Jh. sass Amadeus von Turn, gestorben 1168, auf dem Bischofsstuhl von Sitten, was die Machtstellung der Herren von Turn widerspiegelte. Die von Turn erweiterten ihren Machtbereich bis ins Frutigtal hinein, wo sie sich auf der Felsenburg bei Kandersteg festsetzten. Um 1200 teilte sich die Familie in zwei Linien auf, wobei die Hauptlinie auf der Gestelenburg blieb und die unbedeutendere Familie sich in Granges (im 14.Jh. ausgestorben) niederliess. Während des 13. und 14.Jh. gerieten die Herren von Turn in die Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Sitten und den Grafen von Savoyen. Die Freiherren von Turn betrieben eine kriegerische Familienpolitik und wurden in mehrere verheerende Auseinandersetzungen hineingezogen. Ihnen blieb jedoch, wie vielen anderen Herrschaften, die in die Kriege der grossen Machtblöcke schlitterten, nichts anderes übrig, als sich in Kriegen zu bewähren, um zu überleben. 1294 gelang es Peter von Turn, ein Bündnis des Adels gegen den Bischof zustande zu bringen. Er und seine Bündnispartner erlitten 1296 auf der Seufzermatte bei Leuk eine schwere Niederlage, woraufhin das Bündnis auseinanderbrach. Ein halbes Jahrhundert später kam es wieder zum Streit zwischen den Herren von Turn und dem Bischof von Sitten. Der Streit verschärfte sich, als 1350 einer ihrer Erzfeinde aus dem Hause der Tavelli, Witschard von Tavelli, zum neuen Bischof gewählt wurde. Bischof Witschard holte sich politischen Rückhalt bei Graf Amadeus VI von Savoyen, der ins Wallis eindrang und 1352 Sitten verwüstete. Graf Amadeus zwang die oberen Gemeinden, welche mit den Freiherren von Turn verbündet waren, zur Unterwerfung. Dieses Ereignis führte zu einem Umsturz der politischen Bündnisse. Der Bischof von Sitten verbündete sich nun mit den Oberwallisern, was Anton von Turn veranlasste, sich mit Savoyen zu verbünden. Daraufhin überstürzten sich die Ereignisse! 1365 ermordeten Anhänger des Bischofs Gräfin Isabella von Blandrate und ihren Sohn, welche zu den von Turn gehörten. Aus Rache verwüsteten die Herren von Turn die Ländereien und Dörfer ihrer Widersacher, die wiederum aus Rache die Ländereien und Dörfer der von Turn zerstörten und 1367 erfolglos die Gestelenburg belagerten. Dieser jahrelange Kleinkrieg zwang Anton von Turn zur Aufgabe, und er unterzeichnete 1370 in St-Maurice den Friedensvertrag. Die persönliche Feindschaft zwischen Anton von Turn und Bischof von Tavelli war aber deswegen noch nicht vom Tisch. So kam es am 8. August 1375 zu jener schrecklichen Tat auf Burg Seta, bei der der altersschwache Bischof brutal ermordet wurde. Der Mord löste eine Volksaufstand gegen Anton von Turn aus, und es kam bei St-Léonard zur Schlacht. Die Truppen von Anton unterlagen den Wallisern, worauf diese die Gestelenburg belagerten. Anton selber floh nach Savoyen und verkaufte die Stammburg und das Lötschental an die Grafen. Diese verkauften ihrerseits die Festung an Bischof Eduard von Sitten. Dadurch wurde die Burg vor der Zerstörung gerettet. Im Laufe der Zeit kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Wallisern und Bischof Eduard. Nach einem Volksaufstand 1384 floh der Bischof nach Savoyen und versuchte, mit deren Hilfe die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Dabei wurden mehrere Burgen des Bischofs von den Wallisern zerstört, unter anderem auch die Gestelenburg. Während des 15.Jh. gelangten fünf Zendendes Wallis in den Besitz der Herrschaft Lötschental und von Niedergestelen (Zenden oder auch Zehnden, war im heutigen Kanton Wallis eine Bezeichnung für Bezirke).

Beschreibung

Ausgedehnte Ruine, auf drei Geländestufen verteilt. Die Ruine thront auf einem Felsvorsprung über dem Dorf Niedergestelen. Sichtbar sind Reste der Vorburg, des Palas und eines Rundturmes. Achtung!! Das Erklimmen der Ruine ist nicht ungefährlich, es besteht Rutschgefahr.